Chat GPT und andere künstliche Intelligenzen

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Ruth
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Chat GPT und andere künstliche Intelligenzen

Beitrag von Ruth »

Im Romanforum wird momentan so viel geschrieben (heute hat Sina Kani nach einem fulminanten Endspurt dort ihren neuen Roman beendet. Herzlichen Glückwunsch, Sina! 👍👏😎), dass das öffentliche Forum ein bisschen vernachlässigt wird. Aber die Geschwindigkeit, in der im Romanforum manchmal geschrieben wird, lässt kaum Zeit für etwas anderes, wenn man alles lesen und kommentieren will, was dort entsteht.

Worüber ich jedoch letztens gestolpert bin, ist der unglaubliche Boom, den AI (= Artficial Intelligence) oder auf Deutsch KI (Künstliche Intelligenz) in den letzten paar Monaten ausgelöst hat. Da wird auch immer wieder davon gesprochen, dass solche Maschinen sogar Bücher schreiben könnten. Einige von der KI geschriebene Bücher sind sogar schon auf Amazon veröffentlicht worden. Aber kann das denn überhaupt sein? Eine Maschine bzw. eine Software, die Bücher schreibt? Sind wir Autorinnen bald arbeitslos? 😉

Nein, so schlimm ist es nicht. Obwohl das, was Chat GPT und andere ähnliche Programme leisten, wirklich beeindruckend ist. Die Bücher, die bisher von der AI „geschrieben“ wurden, sind fast ausschließlich Sachbücher. Im Grunde genommen bittet man die KI nur, alle möglichen Informationen zu einem bestimmten Thema zusammenzusammeln. Was sie sehr gut kann.

So muss man nicht mehr jede einzelne Frage googeln oder die Informationen Stück für Stück zusammensuchen, sondern man lässt die KI für eine ganze Fragestellung das Internet abgrasen. Dadurch spart man sich natürlich viel Arbeit. Die KI kann das viel schneller als wir Menschen. Wie Computer eben vieles schneller können, was automatisiert werden kann.

So entstehen Reiseführer oder Restaurantführer oder auch Designs für irgendwelche Wallpaper oder Briefpapiere (ja, die KI kann nicht nur Text, sondern auch Bilder kreieren. Übrigens auch Musik), die über das Internet verkauft werden.

Einiges davon ist erstaunlich, aber originell ist so etwas nicht. Denn die KI ist nicht kreativ, sie setzt nur schon Bestehendes neu zusammen. Manchmal so gut, dass man es für kreativ hält, aber was dahinter steht, sind nur mathematische Algorithmen, kein menschliches Gehirn, in dem Emotionen, Erfahrungen, zwischenmenschliche Beziehungen und überhaupt alle Dinge, die menschlich sind, auch noch eine Rolle spielen.

Kreativität ist mehr als die Summe all dessen, was man einmal gelernt oder erfahren hat. Deshalb ist jeder Mensch auf andere Art kreativ, auf seine ganz eigene. Die KI kann immer nur auf ein und dieselbe Art „kreativ“ sein. Sie ernährt sich nur von dem, was Menschen schon geschaffen haben. Wäre da nichts, könnte die KI auch nichts.

Ein Mensch könnte hingegen etwas aus der Luft erschaffen, ohne Vorbilder. Aus seiner eigenen Kreativität heraus. Man denke nur an die Höhlenzeichnungen ursprünglicher Menschen, die noch keine technischen Hilfsmittel hatten und sicherlich auch keinen Zeichenunterricht.

Ein paar Leute haben versucht, auch Romane von der KI schreiben zu lassen. Allerdings auch da eher etwas, das zur KI passt, z.B. Science-Fiction-Romane. Auch Fantasy bietet sich an, denn Fantasy ist sehr schematisch. Das ist ein Muster, das ein Computer erkennen und dann nachmachen kann.

Vielleicht ginge es auch mit Krimis, die immer nach Schema F ablaufen. Mit Horror unter Umständen oder sogar mit Pornos.

Bei Liebesromanen versagt die KI jedoch. Wenn man sie nach einem Plot für einen Liebesroman fragt (was man tatsächlich tun kann), kommt dabei nicht viel heraus. Die KI schreibt einen so schematischen Plot, das man sich das auch schenken kann. Das kann jede Autorin in 3 Minuten selbst.

Was ich noch sehr lustig fand, war, dass die KI immer auf eine tödliche Krankheit zurückgreift, wenn man sie anweist, eine „dramatische Wende“ einzubauen. Sobald man das tut, lernen sich zwei Personen kennen, verlieben sich, und kurz darauf wird eine der beiden tödlich krank. Je nachdem, ob man der KI gesagt hat, die Geschichte soll ein Happy End haben oder nicht, stirbt diese Person dann oder erholt sich ganz überraschend wieder.

Ja, so etwas kommt in Liebesromanen vor, und da hat die KI es bei ihrer Recherche auch gefunden, aber damit kann man keinen Roman schreiben. Anscheinend kennt die KI jedoch keine andere dramatische Wende als eine tödliche Krankheit. Sie kennt beispielsweise keine rein emotionalen Wendepunkte, die nicht äußerlich motiviert sind, sondern aus der Person selbst heraus kommen. Das sind aber die interessantesten.

So etwas ist für eine Maschine aber schwer zu analysieren. Weil man das nicht in mathematische Formeln fassen kann.

Vielleicht wird es in Zukunft KI-Science-Fiction, KI-Fantasy oder KI-Krimis geben, aber wenn es um Gefühle geht, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht, wenn es um Liebe geht … Da versagt die KI.

Somit denke ich, alle wirklich kreativen Menschen werden noch lange nicht arbeitslos werden. Wir Autorinnen müssen uns da keine Sorgen machen. 😎
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Antje
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Re: Chat GPT und andere künstliche Intelligenzen

Beitrag von Antje »

So muss man nicht mehr jede einzelne Frage googeln oder die Informationen Stück für Stück zusammensuchen, sondern man lässt die KI für eine ganze Fragestellung das Internet abgrasen.
Und noch nicht einmal das das kann ChatGPT gut. 😀 Denn die KI kann nicht unterscheiden zwischen seriösen Quellen oder gar sarkastischen Texten. Neulich habe ich gelesen, dass eine von ChatGPT falsch ausgegebene Information kursiert, die von vielen als wahr weitergegeben wird. Der Autor des Artikels darüber hat versucht, die Quelle zu finden - ein sarkastischer Tweet. Dieser Tweet wurde in einem Artikel eines großen Magazins zitiert, und der Artikel dieses Magazins erschien wiederum woanders. Diese Kette hat ChatGPT nicht nachverfolgt, sondern die durch mehrere Artikel gelaufene Info aufgegriffen und als Antwort auf eine Frage ausgegeben.

An diesem Beispiel sieht man sehr deutlich die Grenzen der KI.

Oder ganz anders: Für die FAZ hat ein Autor ChatGPT getestet und u.a. gefragt, welche Tiere in Schillers „Der Handschuh“ vorkommen. Daraufhin hat ChatGPT fünf Tiere genannt, aber die völlig falschen. 😄 Die KI hat wohl irgendwo die Info gefunden, dass es fünf Tiere sind, aber offensichtlich nicht, welche. Hat dann versucht, im Kontext was herauszufinden, und irgendwo gibt es wohl eine Verknüpfung zu den von ChatGPT ausgegebenen fünf Tieren, aber die KI konnte nicht erkennen, dass diese Verknüpfung nicht zum richtigen Ergebnis führt.

Allein anhand dieser zwei Beispiele kann man deutlich sehen, dass ChatGPT im Grunde nichts weiter ist als eine Suchmaschine, die selbst das „richtige“ Suchergebnis aussucht. Und wie soll so etwas einen ordentlichen Roman schreiben? 😀
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AnneW
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Re: Chat GPT und andere künstliche Intelligenzen

Beitrag von AnneW »

Das denke ich auch. 🙄 Ich stehe solchen Sachen ja grundsätzlich etwas skeptisch gegenüber. Bin vielleicht auch schon zu alt dafür. Aber wenn ich mir überlege, wie ich mich jedes Mal quäle, wenn ich einen Roman schreiben will, dann bezweifle ich, dass eine Maschine das besser kann. Nicht das Quälen 😉, aber das Auswerten der Qual. Denn was man da alles in seinem Kopf gewälzt hat, wird dann zu einer Geschichte, von der man am Anfang meist selbst noch nichts wusste. Weil unser Gehirn Zusammenhänge findet, die uns selbst nicht bewusst sind. Plötzlich fügt sich dann alles zusammen wie ein Puzzle. Wenn es klappt. 😎 Das würde ich als Kreativität bezeichnen. Und da stimme ich voll und ganz zu: Eine Maschine kann das nicht.
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Kay
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Re: Chat GPT und andere künstliche Intelligenzen

Beitrag von Kay »

So etwas wie künstliche Intelligenz ist zwar so gar nicht mein Thema (die menschliche Intelligenz und was die anrichten kann reicht mir mehr als 😉), aber von der Vorstellung her finde ich das schon interessant. Ich verstehe nichts von Technik, also kann ich mir nicht im entferntesten vorstellen, wie das funktioniert, aber weil das jetzt hier im Forum stand, habe ich mir mal das eine oder andere Video angesehen.

Na ja. Ganz lustig. Wie ein Partygag. Oder ein Zauberkunststück, bei dem das Publikum nicht weiß, wie es funktioniert und deshalb erstaunt ist. Wenn man weiß, wie es funktioniert, ist es wahrscheinlich nicht halb so erstaunlich.

Die Beispiele, die hier oben genannt wurden, zeigen ja schon, dass das kein System ist, von dem man viel mehr als ein bisschen Unterhaltung erwarten kann. Und der Effekt nutzt sich schnell ab. Für Recherchen zu Romanen würde ich es vielleicht mal ausprobieren. Aber auch das scheint ja sehr unzuverlässig zu sein. Also muss man doch wieder jede Tatsache einzeln checken. Sich alles noch einmal ansehen, was die Maschine ausgespuckt hat, um es auf Fehler zu überprüfen. Da ist man wahrscheinlich schneller fertig, wenn man es gleich von Anfang an selbst macht. 😎
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Steffi
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Re: Chat GPT und andere künstliche Intelligenzen

Beitrag von Steffi »

Interessant finde ich das Ganze schon. Wie so vieles interessant ist in unserer „schönen neuen Welt“. Ich muss zugeben, ich habe gestern ein bisschen mit dieser neuen Technologie herumgespielt, und es macht schon Spaß. 😎 Man hat wirklich das Gefühl, mit einer Person zu sprechen. Die Reaktionen wirken teils sehr menschlich. Es ist nicht wie eine Suchmaschine, in die man ein Suchwort eingibt und dann bekommt man Ergebnisse angezeigt. Das ist doch eher unpersönlich.

Chat GPT ist so programmiert, dass man nicht einfach nur Suchergebnisse bekommt, sondern vollständige Sätze, die menschlich wirken. Sehr nett und freundlich und entgegenkommend und immer bemüht, alles zu tun, was erwartet wird. Ich fand das so extrem, dass ich nach ein paar Anfragen ein richtig schlechtes Gewissen bekommen habe, dass ich die KI mit so vielen aufeinanderfolgenden Fragen belästige. 😄 Vor allem, wenn sie am Anfang nicht richtig geantwortet hat. Oder schon richtig – irgendwie richtig ist es ja immer –, aber nicht genau auf die Fragestellung.

Man muss die Fragestellung immer mehr verfeinern, immer mehr Details eingeben, damit die Antwort passender wird. Das ist, wie wenn man sich mit einem Menschen unterhält, der einen nie ganz richtig versteht, sich aber sehr bemüht, alle Fragen zu beantworten.

Was lustig war, war, dass die Maschine so programmiert ist, dass sie eigentlich nie sagt „Ich weiß das nicht“. Oder nur sehr selten und auf ganz bestimmte Fragen. Ich frage mich, wie die ProgrammierInnen das programmiert haben. Denn wenn die Maschine etwas nicht weiß, erfindet sie einfach etwas und tut so, als wäre das die Wahrheit.

Das ist eigentlich nicht der Sinn der Sache. Normalerweise würde man sagen, ein Computer kann nicht lügen, aber es kommt einem fast wie Lügen vor. Obwohl es das natürlich nicht ist. Das ist von Menschen so einprogrammiert. Die ProgrammierInnen haben offenbar keine Überprüfung eingebaut, ob die Ergebnisse, die die KI produziert, wirklich vorhanden sind. Ob das überhaupt sein kann.
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Hanna
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Re: Chat GPT und andere künstliche Intelligenzen

Beitrag von Hanna »

Dann ist die Maschine ja doch kreativ. 😄 Wenn sie etwas produziert, das es eigentlich gar nicht gibt. Ja, ich weiß, das ist nicht dasselbe. Weil eine Maschine das nicht sein kann und auch nicht bewusst etwas Neues erzeugen will. Sie will ja zu Diensten sein. Aber es erscheint ein bisschen so wie gewisse Menschen, die einem immer alles recht machen wollen und dadurch alles nur noch schlimmer machen.
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