Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Schreiben? Ja. Aber wie?
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Ruth
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Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Ruth »

Die Antwort liegt auf der Hand: sehr wichtig. Die Figuren machen die Geschichte ist ein Satz, der nicht umsonst immer und überall wiederholt wird. Eine Geschichte ohne gute Figuren hat meistens keinen großen Reiz.

Ich sage meistens, weil es Geschichten gibt, Action- und Abenteuergeschichten, auch manche Fantasygeschichten, Horror, Krimis, Science-Fiction usw., bei denen der Reiz eben darin liegt, in der Action, im Abenteuer, in der Gestaltung der Welt, in der sie stattfindet, in Szenen, die Grusel, Spannung, Neugier oder Erstaunen bezüglich beispielsweise technischer Entwicklungen in der Zukunft erzeugen, ohne dass das viel mit den Figuren zu tun hat. Wer so etwas schreiben will, muss das hier nicht unbedingt lesen. Obwohl es manchmal selbst für diese Genres nützlich sein kann.

Meines Erachtens profitiert jede, wirklich jede Geschichte von guten, wohldurchdachten und für eine Identifikation geeigneten Figuren. Aber solche Figuren zu erschaffen erfordert einiges an Können von der Autorin oder dem Autor, und es gibt Genres, in denen die Leser/innen das nicht unbedingt verlangen. Die Frage ist also eher, verlangt man das von sich selbst als Autor/in? (Das ist das letzte Mal, dass ich diese Unterscheidung vornehme. In allem Weiteren sind die männlichen Formen bei den weiblichen Formen mitgemeint.)

Ich habe mir diese Frage nie gestellt, weil ich noch nie versucht habe, eine Geschichte zu schreiben, in der die Figuren nicht das Zentrum sind. Es erschien mir immer logisch und auch gefühlsmäßig richtig. Es war nicht unbedingt eine bewusste Entscheidung. Denn damals wusste ich noch nichts vom schriftstellerischen Handwerk.

Mittlerweile weiß ich sehr viel darüber, und es hat nichts an meiner unbewussten Entscheidung geändert. Nun treffe ich dieselbe Entscheidung bewusst. Aber eine Entscheidung ist es für jede Autorin, bewusst oder unbewusst.

Viele unerfahrene Autorinnen treffen diese Entscheidung leider nur in eine Richtung: in die ihres eigenen Egos. Oder Alter Egos, wenn wir es auf die Erzählerinnenpersönlichkeit in einer Geschichte beziehen. Ich habe das sehr oft beim NaNoWriMo gesehen, und ich sehe es auch in den Manuskripten, die uns angeboten werden.

Ich sehe es allerdings auch bei erfahrenen Autorinnen, die bereits veröffentlicht sind und durchaus gern gelesen werden. Somit ist es nicht unbedingt ein Fehler, so zu schreiben, wenn ... ja, wenn es eine interessante Geschichte ergibt, die ihre Leserinnen findet. Was oftmals nicht der Fall ist. Deshalb das leider hier oben.

In solchen Geschichten gibt es nur eine Figur, nämlich die Autorin. Ihr Alter Ego ordnet sich alles andere unter. Das heißt, alle anderen Figuren gehorchen dem, was diese Figur will. Weil die Autorin ihnen ihren Willen aufzwingt, komme da, was wolle. Sodass die Figur, die die Perspektive hat, immer recht hat, alle anderen Figuren von weniger glaubwürdig, schwächer oder hilfloser bis sogar lächerlich erscheinen. Ich bin der Meinung, wenn man das tut, ist man als Mensch vermutlich nicht sehr einfühlsam. Aber wenn eine Autorin das möchte, dann ist es ihr gutes Recht, das zu tun.

Ich persönlich möchte das nicht tun. Ich möchte Figuren in meinen Geschichten, die sich unterscheiden, die sich wehren, die sich auseinandersetzen, die ihre eigene Meinung haben. Die sich nicht allein einem einzigen Ego unterordnen. Um solche Figuren zu erschaffen, muss man sich in andere Menschen hineinversetzen können, muss deren Bedürfnisse den eigenen Bedürfnissen gleichstellen.

Meines Erachtens ist das nicht nur eine Technik, die man lernen kann, sondern auch ein Ausdruck der eigenen menschlichen Persönlichkeit. Ein Mensch, der immer nur an sich selbst denkt, wird mit keiner Technik der Welt zu einem mitfühlenden Menschen, der sich in andere hineinversetzen kann. In andere Menschen nicht und in andere Figuren nicht.

Aber wenn man in der Lage ist, ein wenig Abstand zu sich selbst zu gewinnen, können Techniken, wie man glaubwürdige Figuren erschafft, sehr nützlich sein.
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Ruth
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Ruth »

Langer Rede kurzer Sinn: Was macht eine glaubwürdige Figur aus?

Eine glaubwürdige Figur ist immer eine Figur, die uns stimmig erscheint. Sie muss uns nicht sympathisch sein, aber wir müssen das Gefühl haben, dass das, was sie tut, wie sie sich verhält, zu ihr passt. Dazu ist es sehr nützlich, wenn die Autorin weiß, was sie tut, und die Figur nicht einmal so, einmal so handeln lässt. Eine Figur sollte eine gewisse innere Logik haben, der sie folgt.

Die Logik ist nicht immer gleich erkennbar, aber bis zum Schluss der Geschichte sollte sich das aufklären. Was es leider nicht immer tut.

Meistens liegt das an der unzureichenden Planung der Figur durch die Autorin. Besonders Bauchschreiberinnen neigen dazu, einfach loszuschreiben, ohne sich überhaupt über ihre Figuren klar zu sein.

Wenn man gut ist, kann sich die Figur innerhalb der Geschichte trotzdem logisch entwickeln. Dann, wenn man sich jedes Mal, bevor diese Figur etwas tut, Gedanken darüber macht, ob das zu ihrem Charakter passt. Was es über die Figur aussagt. Und auch dabei bleibt.

Es gibt hier einen gewissen Unterschied, der dem Unterschied zwischen Kopfschreiberinnen und Bauchschreiberinnen entspricht. Kopfschreiberinnen werden Figuren im Voraus durchdenken, sie werden Biografien für sie erstellen, ihre äußere Erscheinung festlegen, Familienverhältnisse, wichtige Ereignisse im Leben der Figur, wichtige Bezugspersonen.

Bei Bauchschreiberinnen entstehen diese Dinge während des Schreibens, ebenso wie der Plot. Und darin liegt oft ein großes Problem. Denn das führt mehr als einmal dazu, dass die Figuren inkonsistent werden, wenn man nicht ganz genau aufpasst. Deshalb ist es auch als Bauchschreiberin angeraten, die Eigenschaften der Figur, die einer während des Schreibens einfallen, festzuhalten.

Wenn man also einmal erwähnt, dass die Figur blond ist und blaue Augen hat, schnell nebenher in eine Liste schreiben. Das geht gut mit Programmen wie OneNote (oder anderen, ähnlichen Notizprogrammen). Dort geht nichts verloren, und es dauert nur ein paar Sekunden.

Angenommen, man schreibt eine Szene der Figur mit ihrer Mutter. In der Szene wirft die Mutter der Tochter vor, sie hätte sich nie um die Familie gekümmert, immer nur ihren eigenen Vorteil im Sinn gehabt, wäre undankbar.

Das ist schnell in eine Liste geschrieben, ohne dass es viel Aufwand verursacht. Wenn dabei biografische Daten genannt werden, kann man die auch hinzufügen, ohne das Schreiben groß zu unterbrechen.

In einer anderen Szene werden vielleicht Erfahrungen der Figur mit Ex-Freundinnen oder Ex-Frauen erwähnt. Kurze Notiz beispielsweise des Namens der Ex-Freundin, des Alters, kleine Anmerkungen, was der Grund der Trennung war oder der Grund der Enttäuschung. Oder auch der Grund der großen Liebe. Stichworte nur, aber sehr nützliche Stichworte, wenn man später darauf zurückkommen will.

In den meisten Schreibratgebern wird davon gesprochen, dass man das alles im Voraus machen sollte. Die Biografie der Figur erstellen, ihre Charaktereigenschaften auflisten, Größe, Haarfarbe, Figur, Schulbildung, Beruf, familiäre Verhältnisse usw. Deshalb ist man dann ziemlich aufgeschmissen, wenn man das nicht tut. Ich habe noch nirgendwo eine Anleitung dafür gefunden, wie man eine Figur während des Schreibens entwickelt. Genauso, wie es Anleitungen zum Plotten gibt, aber keine Anleitungen zum Nicht-Plotten, aber trotzdem eine gute Geschichte zu entwickeln.

Ich finde, das ist ein großes Manko. Wenn man alles im Voraus plant, findet man viele Ratgeber. Wenn man das aber nicht tut? Dann verzettelt man sich oft und kommt nicht mehr aus dem Netz der eigenen Einfälle heraus, kann keine Logik, keine konsequente Erzählführung herstellen.

Das muss aber nicht sein. Figuren zu entwickeln, indem man sie Szene für Szene einführt, beschreibt, handeln lässt, sodass erst am Schluss eine Biografie und all das, was die Figur betrifft, klar ist, ist eine gleichwertige Möglichkeit.

Das Wichtigste dabei ist aber immer das, was ich oben schon sagte: Die Figur darf nicht einmal so, einmal so handeln. Sie muss in sich selbst stimmig sein.

Wenn ich also einfach nur eine Szene hinschreibe, weil sie mir gefällt, weil ich genau so eine Szene schreiben will, ohne zu überlegen, passt das zu meiner Figur, wird es am Ende ein Chaos ergeben. Dann sollte ich diese Szene für eine andere Figur aufheben.

Figuren machen die Geschichte. Aber sie können keine Geschichte machen, wenn die Geschichte hin- und herspringt wie ein Lämmerschwanz. Wenn die Figur hin- und herspringt wie ein Lämmerschwanz. Weil die Autorin nicht weiß, was sie schon einmal über die Figur geschrieben hat, weil sie sich nicht an ihre eigenen Einfälle hält.

Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, Figuren wie eine Art Bild zu malen. Am Anfang darf das Bild noch Lücken enthalten, vielleicht passen die Farben nicht richtig zusammen oder die Komposition des Bildes ist schief. Am Schluss muss die Figur jedoch ein Bild ergeben, das man erkennen kann, mit dem man etwas anfangen kann.
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Kay
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Kay »

Ruth hat geschrieben: Mittwoch 7. September 2022, 09:14Figuren machen die Geschichte. Aber sie können keine Geschichte machen, wenn die Geschichte hin- und herspringt wie ein Lämmerschwanz. Wenn die Figur hin- und herspringt wie ein Lämmerschwanz. Weil die Autorin nicht weiß, was sie schon einmal über die Figur geschrieben hat, weil sie sich nicht an ihre eigenen Einfälle hält.
Wenn das nicht mal hundertprozentig wahr ist. 😃 Als Autorin hat man immer Einfälle. Sonst könnte man gar keine Geschichten schreiben. Und manchmal überwältigen einen diese Einfälle, machen sich selbstständig. Man möchte gern, dass eine Figur etwas Bestimmtes sagt oder tut, und man schreibt es einfach hin oder lässt es sie tun. Das ist mir auch schon passiert.

Wenn man es dann aber noch einmal durchliest, sollte man merken, ob das zu der Figur passt oder nicht. Und es dann entweder korrigieren, damit es passt oder eben - wie Du sagst - für eine andere Geschichte oder für eine andere Figur in dieser oder einer anderen Geschichte aufheben. Das ist allerdings manchmal gar nicht so leicht. Wenn man eine Szene sehr liebt, möchte man sie im Buch haben. Hier und jetzt gleich. ☺️

Was ist zum Schluss wichtiger: die schöne Szene oder die Figur? Das ist manchmal die Frage.
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Ruth
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Ruth »

Das ist tatsächlich eine gute Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Es kommt aber – wie immer – darauf an.

Darauf nämlich, wie gut man die Szene in die Geschichte einbaut. Ob man einen Anlass dafür findet, bei dem die Szene beispielsweise jemanden irreführen soll, von einer Spur abbringen soll oder Ähnliches. Dann würde sie dem Charakter der Figur nicht widersprechen.
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Steffi
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Steffi »

Ruth hat geschrieben: Mittwoch 7. September 2022, 09:14Ich finde, das ist ein großes Manko.
Das finde ich auch. 😉
Ruth hat geschrieben: Mittwoch 7. September 2022, 09:14Wenn man alles im Voraus plant, findet man viele Ratgeber. Wenn man das aber nicht tut? Dann verzettelt man sich oft und kommt nicht mehr aus dem Netz der eigenen Einfälle heraus, kann keine Logik, keine konsequente Erzählführung herstellen.
Davon kann ich ein Lied singen. 🙂 Ich habe verschiedene Ratgeber angeschaut, aber das hat mich alles nicht angesprochen. Ich meine, grundsätzlich sehe ich das schon ein, dass es die Sache erleichtert, wenn man im Voraus plant. Aber das nimmt mir jeden Spaß am Schreiben.

Gwen Hayes war die erste Methode, die mich immerhin so weit angesprochen hat, dass ich es versucht habe. Zuerst bin ich damit zwar auch gescheitert, aber jetzt habe ich es ja geschafft, damit zu arbeiten. Dort gibt es dieses im Voraus Planen nicht. Man fängt mit der ersten Figur an, indem man sie vorstellt. Dasselbe dann mit der zweiten Figur. Ohne vorher eine Biografie zu schreiben oder so etwas.

Am Anfang ist mir selbst dieses separate Vorstellen der beiden Hauptfiguren auch schwergefallen. Wie man immer noch in dem Brainstorming zu der Geschichte nachlesen kann. Ich wollte eine bestimmte Figur für H1, aber das hat nicht geklappt. Jetzt ist die Figur eine ganz andere, H2 ist geblieben, und jetzt klappt es. Aber wenn ich da erst einmal für jede Figur ein Datenblatt hätte ausfüllen sollen, dann hätte ich schon viel früher aufgegeben.

Das hier
Ruth hat geschrieben: Mittwoch 7. September 2022, 09:14Figuren zu entwickeln, indem man sie Szene für Szene einführt, beschreibt, handeln lässt
ist für mich der Knackpunkt. So entwickle ich meine Figuren, und das ist die einzige Methode, die für mich funktioniert.

Ob die Figuren dann wirklich glaubwürdig sind, das müssen die Leserinnen entscheiden. (Oder auch zuerst einmal der Verlag. ☺️)
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Hanna
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Hanna »

Katja hat geschrieben: Donnerstag 8. September 2022, 15:01Ich habe in meinem Kopf schon eine Vorstellung von der Figur, aus deren Perspektive ich schreibe. Das ist ganz sicher ein Alter Ego von mir. Aber ich möchte nicht, dass es jedes Mal dasselbe Alter Ego ist.
Das ist eine sehr spannende Aussage, Katja. Darüber habe ich jetzt ein paar Minuten nachgedacht. Nicht immer dasselbe Alter Ego.

Aber ist das überhaupt möglich? Denn ich bin es, die das Buch schreibt. Oder Du, wenn Du Deine Bücher schreibst. Sind wir nicht immer wir? Und dementsprechend sind auch unsere Figuren immer wir?

Steffi hat geschrieben: Donnerstag 8. September 2022, 14:21Das hier
Ruth hat geschrieben: Mittwoch 7. September 2022, 09:14Figuren zu entwickeln, indem man sie Szene für Szene einführt, beschreibt, handeln lässt
ist für mich der Knackpunkt. So entwickle ich meine Figuren, und das ist die einzige Methode, die für mich funktioniert.
Da kann ich mich nur anschließen. Aber Katjas Bemerkung hat mich jetzt doch sehr nachdenklich gemacht. Entwickeln wir auf die Art nicht immer dieselben Figuren? Wenn man gewisse Charakteristika verändert wie beispielsweise Haarfarbe, Größe, Alter, ist das dann genug? Oder bleiben es zum Schluss doch immer dieselben Figuren?
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Katja
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Katja »

Wahrscheinlich stimmt das in gewisser Weise. Aber ich habe mit Mae und Anna völlig andere Figuren gehabt als mit Charlie oder Tanja. Bilde ich mir jedenfalls ein. 😎 Und ich möchte, dass die Figuren irgendwie unverwechselbar sind. Nicht dass man denkt, das ist alles dasselbe, die denken alle dasselbe oder tun alle dasselbe.
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Ruth
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Ruth »

Definitiv sind das völlig verschiedene Figuren. 🙂 Die Idee mit den unterschiedlichen Alter Egos ist auf jeden Fall die richtige. Ich bin immer ich, das ist wahr. Auch als Schriftstellerin bin ich eben Ruth Gogoll, sonst niemand. Aber ich versuche stets, meinen Figuren etwas zu geben, was nicht "ich" ist. Etwas, das nicht meine Meinung ist oder meine Art, mit Dingen umzugehen. Sonst würde es tatsächlich sehr langweilig. 😎
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AnneW
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von AnneW »

Steffi hat geschrieben: Donnerstag 8. September 2022, 14:21Ob die Figuren dann wirklich glaubwürdig sind, das müssen die Leserinnen entscheiden.
Ich finde Deine Figuren sehr glaubwürdig. 🙂 Insbesondere jetzt in Deinem neuesten Roman, den Du gerade schreibst. Die Beiden sind einfach zum Knutschen. 😎 Solche Figuren zu erschaffen ist nicht einfach. Es gehört so viel dazu, und das ist Dir dort sehr gut gelungen. Aber man kann es trotzdem nicht so richtig an etwas festmachen. Was macht diese Figuren so lebendig und auch so liebenswert? Man merkt sofort, wenn etwas fehlt. Aber wenn sozusagen alles da ist, dann kann man das nicht benennen. Da fühle ich mich immer ein bisschen, als würde ich in der Luft hängen. 🤔
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Sina
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Sina »

Kann ich sehr gut verstehen. Wenn ich über meine Figuren nachdenke, frage ich mich auch oft, was ist es, was ich der Figur geben will? Was braucht sie? Und ich bin oft unsicher, ob das richtig ist, was ich tue. Manchmal weiß ich nicht, was ich tun soll. Und dann kann ich nicht weiterschreiben.
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Ruth
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Ruth »

Das ist in gewisser Weise ganz normal. 🙂 Es heißt nicht umsonst Die Figuren machen die Geschichte. Wenn man irgendetwas über seine Figuren nicht weiß, weiß man nicht, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren würden. Also kann man die Situation nicht schreiben. Man steht praktisch wie an einer Kreuzung und kann nicht entscheiden, in welche Richtung es weitergeht.

Aber mach Dir keine Gedanken darüber, ob es „richtig“ ist, was Du tust. Es gibt ja keine Vorschriften dafür, was richtig und was falsch ist. Das ist immer Deine Entscheidung als Autorin. Falsch wäre höchstens, nicht weiterzumachen, die Figur absolut gar nichts tun, denken oder sagen zu lassen. Alles andere ist erst einmal richtig. 😎

Selbst wenn Du an der Kreuzung in eine Richtung abbiegst, die Dich nicht weiterbringt, kannst Du immer noch einen anderen Weg wählen. Wenn Du aber gar nichts tust, wenn Du an der Kreuzung stehenbleibst, dann passiert nichts und die Geschichte hört praktisch an der Stelle auf.

Stell Dir die Szene einfach vor, stell Dir Deine Figur vor und überleg, was sie jetzt tun würde. Ob Dir das logisch und nachvollziehbar (für diese Figur) erscheint. Und dann schreibst Du das hin. Ohne Wertung. Kein gut oder schlecht, kein richtig oder falsch. Merk Dir, wie Deine Figur hier reagiert hat, vielleicht auch, warum, schreib es am besten auf, und lass sie das nächste Mal so reagieren, dass es zu dieser Reaktion passt. So baust Du die Eigenschaften der Figur Stück für Stück auf.
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Hanna
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Re: Wie schreibt man einen Roman? - Wie wichtig sind die Figuren?

Beitrag von Hanna »

Manchmal habe ich das Gefühl, man sollte Psychologie studiert haben, um gute Figuren erschaffen zu können. 🙂 Denn in gewisser Weise muss man ja wissen, was es bedeutet, wenn eine Figur sich so oder so verhält. Wenn man das nicht analysieren kann, steht man ziemlich auf dem Schlauch.
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